Über einen Zeitraum von zehn Jahren haben 97 Prozent aller in Euro denominierten globalen Aktienfonds ihren Vergleichsindex verfehlt. So lautet der Befund der jüngsten SPIVA-Studie, die S&P Dow Jones Indices halbjährlich publiziert und die als maßgebliche Bestandsaufnahme der aktiven Fondsbranche gilt. Die Quote ist über die Jahre stabil und methodisch belastbar; sie berücksichtigt auch zwischenzeitlich geschlossene oder fusionierte Fonds, deren Performance in den meisten anderen Statistiken herausfällt. Für österreichische Privatanleger, die zwischen einem aktiv gemanagten Fonds und einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) wählen, hat dieser Befund Konsequenzen — auf eine 30-jährige Anspardauer hin in einer Größenordnung, die selten klar kommuniziert wird.
Die zwei Vehikel im Überblick
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist zunächst nichts weiter als ein börsengehandelter Investmentfonds. Der formale Unterschied zu einem klassischen Investmentfonds liegt in der Handelsform: ETFs werden über die Börse fortlaufend gehandelt wie eine Aktie, klassische Fonds direkt zum täglichen Nettoinventarwert (NAV) bei der Fondsgesellschaft. Folgenreicher ist allerdings die zweite Eigenschaft, die für die überwiegende Mehrheit der ETFs zutrifft: Sie verfolgen eine passive Anlagestrategie— das heißt, sie bilden einen Index wie den MSCI World oder den S&P 500 möglichst exakt nach, ohne dass ein Manager einzelne Wertpapiere auswählt. Aktiv gemanagte ETFs gibt es zwar, sie machen aber einen kleinen Anteil des Marktes aus. Wenn im Folgenden vereinfachend von „ETFs" gesprochen wird, sind passive Index-ETFs gemeint.
Ein aktiv gemanagter Fonds funktioniert nach einer anderen Logik. Hier trifft ein Fondsmanager mit seinem Team Anlageentscheidungen, indem er einzelne Aktien oder Anleihen auswählt, mit dem erklärten Ziel, einen Vergleichsindex zu schlagen. Diese Analysearbeit ist personalintensiv und schlägt sich in den Kosten nieder. Während ein typischer Welt-ETF eine jährliche Verwaltungsgebühr (TER, Total Expense Ratio) von 0,10 bis 0,25 Prozent aufweist, bewegt sich die TER eines aktiv gemanagten Aktienfonds typischerweise zwischen 1,2 und 2,0 Prozent.
| Aktiver Fonds | ETF | |
|---|---|---|
| Kosten (TER) | 1,2 bis 2,0 % p.a. | 0,10 bis 0,25 % p.a. |
| Performance | Im Durchschnitt unter Benchmark | Bildet Benchmark ab |
| Transparenz | Holdings meist quartalsweise mit Verzögerung | Holdings täglich öffentlich |
| Handel | Einmal täglich zum NAV-Kurs | Wie eine Aktie an der Börse, fortlaufend |
| Manager-Risiko | Performance hängt an einzelnen Personen | Folgt Regeln, nicht Personen |
Steuerlich werden beide Vehikel in Österreich identisch behandelt. Auf realisierte Kursgewinne und Ausschüttungen fällt jeweils die Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5 Prozent an, und auch der Meldefondsstatus ist unabhängig davon, ob ein Fonds aktiv oder passiv gemanagt wird. Die häufige Annahme, ETFs seien aus österreichischer Sicht steuerlich besser gestellt als aktive Fonds, ist insofern unzutreffend.
Warum die Mehrheit der aktiven Fonds ihren Index verfehlt
Dass aktive Fonds ihren Vergleichsindex in der Mehrzahl nicht erreichen, lässt sich auf zwei Wegen erklären, die zum selben Ergebnis führen. Der erste Weg ist mathematischer Natur und geht auf einen Aufsatz von William F. Sharpe aus dem Jahr 1991 zurück. Der spätere Wirtschaftsnobelpreisträger zeigte darin auf wenigen Seiten, dass aktive Anleger als Gruppe den Markt vor Kosten weder schlagen noch unterperformen können — sie müssen exakt die Marktrendite erzielen.
Die Logik dahinter lässt sich an einem stark vereinfachten Bild illustrieren. Man stelle sich den gesamten Aktienmarkt als ein Gefäß mit 1.000 Murmeln vor, wobei jede Murmel einen Anteil aller existierenden Aktien repräsentiert. Diese Murmeln sind auf 100 Anleger verteilt. Eine Hälfte der Anleger hält still und behält ihre Murmeln, sie bildet die passive Gruppe und repliziert damit den Markt eins zu eins. Die andere Hälfte tauscht Murmeln untereinander aus, jeder versucht, am Ende mehr Murmeln zu besitzen als zu Beginn. Wenn ein aktiver Anleger Murmeln gewinnt, gewinnt er sie zwangsläufig von einem anderen aktiven Anleger; niemand sonst tauscht. Die Gewinne und Verluste innerhalb der aktiven Gruppe sind deckungsgleich, und im Durchschnitt hat ein aktiver Anleger am Ende exakt gleich viele Murmeln wie ein passiver. Der Markt lässt sich nicht überlisten, weil die aktive Gruppe in ihrer Gesamtheit der Markt ist.
Solange Kosten unberücksichtigt bleiben, endet das Spiel also unentschieden. Sobald aber jeder Tausch eine Gebühr verursacht — Researchteam, Verwaltung, Handelskosten — verschiebt sich das Gleichgewicht zwingend zugunsten der passiven Gruppe, die diese Kosten in deutlich geringerem Umfang trägt. Die aktive Gruppe als Ganzes muss nach Kosten unter dem Markt liegen, und zwar genau um die Differenz der Kostenquoten. Auch das ist keine Hypothese, sondern eine direkte Folgerung aus der Struktur des Marktes.
Der zweite Erklärungsweg ist empirischer Natur und bestätigt das mathematische Argument durch tatsächliche Beobachtung. Die SPIVA-Studie misst seit über zwanzig Jahren weltweit, wie aktive Fonds gegenüber ihren passenden Vergleichsindizes abschneiden. Im aktuellen europäischen Report (Year-End 2025) verfehlten 97 Prozent der globalen Aktienfonds in Euro über zehn Jahre den S&P World Index; über fünf Jahre lag die Underperformance-Quote in den meisten Anlageklassen zwischen 80 und 95 Prozent. Ähnliche Größenordnungen finden sich in den älteren SPIVA-Reports — es handelt sich nicht um einen Ausreißer, sondern um ein über die Jahre stabiles Muster.
Methodisch wichtig ist dabei, dass die SPIVA-Auswertung für sogenannten Survivorship Bias korrigiert. Fonds, die zwischenzeitlich geschlossen oder mit anderen Fonds fusioniert wurden — typischerweise jene mit besonders schwacher Performance — fließen weiterhin in die Berechnung ein. Studien, die diesen Schritt nicht vornehmen, zeigen häufig schmeichelhaftere Quoten, weil die schlechtesten Performer aus der Statistik verschwinden. Bei SPIVA bleibt die volle Spannbreite des Fondsuniversums sichtbar, was den Befund umso belastbarer macht.
Schließlich ist auch wichtig, was die Zahl nichtsagt: Sie sagt nicht, dass kein aktiver Fonds den Markt schlägt. Diese Outperformer existieren, sie sind nur selten. Was die Zahl jedoch zeigt, ist, dass deren Identifikation im Voraus statistisch kaum möglich ist. SPIVAs eigener „Persistence Scorecard" dokumentiert seit Jahren, dass Fonds, die in einer Periode outperformen, dies in der Folgeperiode mehrheitlich nicht wiederholen. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklung — und in der aktiven Fondsbranche ist dieser Pflichthinweis wörtlicher zu nehmen, als er meist verstanden wird.
Was das in Euro bedeutet
Wie groß die Lücke zwischen einem typischen aktiven Aktienfonds und einem typischen Welt-ETF auf eine durchschnittliche Anspardauer hin ausfallen kann, lässt sich mit einer einfachen Rechnung greifbar machen. Angenommen, ein Anleger investiert über 30 Jahre monatlich 500 Euro in einen weltweit anlegenden Fonds bei einer durchschnittlichen Marktrendite von 7 Prozent vor Kosten. Bei einer ETF-Kostenquote von 0,20 Prozent ergibt das nach 30 Jahren ein Endvermögen von rund 587.000 Euro. Bei einer TER von 1,80 Prozent, wie sie für aktive Aktienfonds typisch ist, reduziert sich das Endvermögen — bei exakt derselben Bruttorendite — auf rund 432.000 Euro.
Die Differenz beträgt gut 155.000 Euro, gespeist allein durch die unterschiedliche Kostenstruktur. Bemerkenswert ist, dass diese Rechnung ausschließlich den TER-Effekt modelliert; sie unterstellt, dass der aktive Fonds exakt die Marktrendite erwirtschaftet. Die SPIVA-Daten lassen vermuten, dass die reale Lücke in der Mehrheit der Fälle deutlich größer ausfällt, weil aktive Fonds nicht nur Kosten, sondern oft auch eine zusätzliche Underperformance vor Kosten aufweisen.
Wer den Effekt für die eigenen Sparraten konkretisieren möchte, kann das im Zinseszins-Rechner durchrechnen.
Was das für die Anlageentscheidung bedeutet
Aus den vorgestellten Befunden lassen sich drei nüchterne Fragen ableiten, die sich jeder Anleger selbst stellen kann. Welchen Fonds halte ich aktuell, und wie hoch ist seine Kostenquote? — die Information findet sich im Factsheet oder in der jährlichen Wertpapierabrechnung. Wie hat dieser Fonds in den letzten zehn Jahren gegen seinen Vergleichsindex abgeschnitten? — die meisten Factsheets weisen die Indexrendite zum direkten Vergleich aus. Und schließlich: Wenn die Entscheidung heute neu zu treffen wäre, würde derselbe Fonds wieder gewählt werden?
Bei einem bestehenden Fondsbestand ist ein vollständiger Wechsel allerdings nicht trivial. Jeder Verkauf löst KESt auf realisierte Kursgewinne aus, was den Vorteil eines Switches vorübergehend reduzieren oder neutralisieren kann. In der Praxis ist es daher häufig sinnvoller, den bestehenden Fonds zu halten und neue Sparraten in einen ETF zu lenken. Über die Zeit hat das denselben Effekt wie ein einmaliger Wechsel, ohne dass beim Übergang sofort Steuer anfällt.
Fazit
Aus zwei unterschiedlichen Richtungen kommt das gleiche Ergebnis. Die Arithmetik des Aktienmarktes garantiert, dass aktive Fonds als Gruppe nach Kosten zwingend hinter dem Markt zurückbleiben müssen. Die empirische SPIVA-Auswertung zeigt, dass dieser Effekt auch in der Realität eintritt, und zwar in einer Größenordnung von 80 bis 97 Prozent Underperformance über zehn Jahre, je nach Anlageklasse. Für den überwiegenden Teil der österreichischen Privatanleger, die langfristig und breit gestreut investieren wollen, ist die rationale Konsequenz daraus eindeutig.
Im Screener lassen sich über 2.000 in Österreich handelbare ETFs nach Kosten, Replikationsmethode und Meldefondsstatus filtern.
Häufige Fragen
Sind ETFs immer billiger als aktive Fonds?
In der überwiegenden Mehrheit der Fälle ja. Welt-ETFs liegen typischerweise bei einer TER von 0,10 bis 0,25 Prozent, aktive Aktienfonds bei 1,2 bis 2,0 Prozent. Es gibt einzelne aktive Fonds mit niedrigeren Gebühren, aber die Mehrheit liegt deutlich darüber.
Schaffen es nicht doch einige aktive Fonds, den Markt zu schlagen?
Einige schaffen das. Das Problem ist die Vorhersagbarkeit: SPIVA dokumentiert in seinem jährlichen „Persistence Scorecard", dass Fonds, die in einem Zeitraum outperformen, dies in der Folgeperiode mehrheitlich nicht wiederholen. Den nächsten Outperformer im Voraus zu identifizieren, ist statistisch kaum möglich.
Was ist mit aktiv gemanagten ETFs (etwa ARK Innovation)?
Aktiv gemanagte ETFs kombinieren die Verpackung eines ETFs mit einer aktiven Strategie. Sie unterliegen denselben mathematischen Gesetzen wie klassische aktive Fonds und tragen meist höhere Kosten als reine Index-ETFs.
Verliere ich Steuern, wenn ich von einem aktiven Fonds in einen ETF wechsle?
Bei einem Verkauf werden realisierte Kursgewinne mit 27,5 Prozent KESt besteuert. Das ist relevant, wenn der Fonds bereits stark im Plus liegt. Eine Alternative besteht darin, den bestehenden Fonds zu halten und neue Sparraten in einen ETF zu lenken.
Sind Indexfonds und ETFs dasselbe?
Funktional ja — beide bilden einen Index ab. Der Unterschied liegt in der Verpackung: ETFs werden an der Börse gehandelt, klassische Indexfonds direkt bei der Fondsgesellschaft gekauft. Für österreichische Privatanleger sind ETFs in der Praxis die deutlich häufigere Wahl.
Quellen
- Sharpe, William F. (1991): The Arithmetic of Active Management. Financial Analysts Journal, Vol. 47, No. 1, S. 7–9.
- S&P Dow Jones Indices (2026): SPIVA Europe Year-End 2025 Scorecard. spglobal.com/spdji/spiva.